
Über Seelische Probleme sprechen – ein kurzer Leitfaden
Viele Menschen sprechen beim Hausarzt über Rückenschmerzen, Schlafprobleme oder Magenbeschwerden – aber nicht über Sorgen, Ängste oder Niedergeschlagenheit. Dabei ist die hausärztliche Ordination ein sehr guter Ort, um genau damit zu beginnen.
Hier finden Sie die wichtigsten Punkte in kurzer Form.
Warum zum Hausarzt mit seelischen Problemen?
✅ einschätzen, ob eher Stress, Depression, Angst oder etwas anderes dahintersteckt
✅ körperliche Ursachen (z.B. Schilddrüse, Mangelzustände) abklären
✅ mit Ihnen überlegen, welche nächsten Schritte sinnvoll sind (z.B. Psychotherapie, Facharzt, Beratungsstellen)
✅ bei Bedarf Medikamente verschreiben oder Krankenstand ausstellen
Sie müssen keine fertige Erklärung haben – es reicht, wenn Sie sagen: „Mir geht es seelisch seit einiger Zeit nicht gut.“
Vorbereitung: Was hilft vor dem Termin?
Sie müssen sich nicht perfekt vorbereiten. Hilfreich ist:
- Stichworte aufschreiben:
- Seit wann geht es Ihnen schlechter?
- Wie wirkt sich das im Alltag aus (Arbeit, Familie, Schlaf, Appetit)?
- Belastende Ereignisse notieren:
- zB Trennung, Verlust, Konflikte, Überlastung, finanzielle Sorgen
- Medikamente & Konsum:
- Welche Medikamente nehmen Sie derzeit?
- Wie oft trinken Sie Alkohol, rauchen Sie, nehmen Sie andere Substanzen?
Diese Notizen können Sie einfach mit in die Ordination nehmen.
Im Gespräch: Wie kann ich anfangen?
Der erste Satz ist oft der schwerste. Einige mögliche Einstiege:
- „Ich bin heute hier, weil es mir psychisch nicht gut geht.“
- „Ich bin seit Wochen sehr erschöpft und antriebslos, nichts macht mir Freude.“
- „Ich habe viel Angst und möchte das abklären lassen.“
Versuchen Sie, auch Gefühle und Gedanken zu nennen, nicht nur körperliche Beschwerden, zum Beispiel:
- „Ich habe das Gefühl, ich funktioniere nur noch.“
- „Ich habe oft das Gefühl, wertlos zu sein.“
Wenn es Ihnen schwerfällt, können Sie auch sagen: „Es fällt mir nicht leicht, darüber zu sprechen, aber …“
Was kann die Ärztin / der Arzt dann tun?
Je nach Situation sind möglich:
- körperliche Untersuchung und Blutabnahme
- ein kurzes Gespräch oder Fragebögen zu Stimmung, Angst, Belastung
- gemeinsame Entscheidung: Pause / Krankenstand ja oder nein
- Information über Psychotherapie und andere Hilfsangebote
- bei Bedarf ein Medikament (z.B. Antidepressivum, Schlafmittel)
Wichtig: Sie dürfen jederzeit nachfragen, wenn Sie etwas nicht verstehen, zB „Können Sie mir das bitte noch einmal einfach erklären?“
Wenn es Ihnen sehr schlecht geht
Wenn Sie Gedanken haben wie „Es wäre besser, ich wäre nicht mehr da“ oder konkrete Suizidgedanken, sprechen Sie das bitte direkt aus. Zum Beispiel:
- „Ich habe manchmal Gedanken, mir etwas anzutun.“
Das ist kein „Übertreiben“, sondern ein wichtiges Warnsignal.
In akuten Krisen:
- 144 (Rettung) oder 112 (europaweiter Notruf)
- Telefonseelsorge: 142 (rund um die Uhr, kostenlos, anonym)
- Rat auf Draht (für Kinder und Jugendliche): 147
Zum Schluss
Seelische Probleme sind nichts, wofür Sie sich schämen müssen. Sie sind ein Zeichen, dass Ihre Belastung im Moment sehr hoch ist. Der Schritt, in der hausärztlichen Ordination zu sagen „Mir geht es psychisch nicht gut“, ist bereits ein wichtiger Teil des Weges zur Besserung – und Sie müssen diesen Weg nicht alleine gehen.

